Robert
„Zeige denen, die dich fallen sehen wollen, dass du fliegen kannst.“
Robert litt schon früh unter der gesellschaftlichen Ausgrenzung. Die Schule wurde für ihn zu einem verhassten Ort, den er nur allzu gerne vermied. „Ich vermisse kein Vereinsleben“, sagt Robert heute. Die Oberflächlichkeit und das Imponiergehabe so mancher Mitläufer im System widert ihn an. „In den ersten Schuljahren habe ich öfter die Straßenseite gewechselt, wenn mir so einige Schulkollegen entgegengekommen sind. Aber dann habe ich mir selbst beigebracht, wie ich mir Respekt verschaffen kann.“ Robert musste sich seinen Platz in der Gesellschaft bitter erkämpfen.
Den Unterschied zwischen Männer und Frauen hat Robert bemerkt seit er denken kann, sagt er. „Mein Vater hat zu meiner Mutter immer gesagt: Geh in den Keller und schau ob das Licht brennt. Das war die verschlüsselte Nachricht für: Bring mir ein Bier. Das patriarchale Verhalten seines Vaters, sowie das Unterwürfige seiner Mutter haben die verschiedenen Zuständigkeiten und Rollen zwischen Mann und Frau schon früh und ganz klar zum Ausdruck gebracht. „Der König und seine Dienerin“ nennt Robert die elterliche Tragödie. Die körperlichen Unterschiede waren zweitrangig.
Solange die Guten kämpfen, werden die Schlechten nicht alles gewinnen.
Für kein Geld der Welt würde Robert einen Mitmenschen im Stich lassen. Je mehr ich über Robert nachdenke, desto mehr bewundere ich ihn. Sein Handeln ist eine konsequente Folge seines Denkens. Da gibt es keine Ausnahmen für Vorgesetzte, Ansehen und Wohlstand. Frauen dürfen ebenso wenig geschlagen und vergewaltigt werden wie sie selbst einem Mann auf den Po zu greifen haben. Selbst wenn dieser noch so „schön knackig“ ist.
Aber was genau bedeutet Courage für Robert eigentlich? „Ich glaube diese Courage von Männern, bei der es wirklich dann darum geht, sich für jemanden einzusetzen, bedeutet, dass man dann einfach nicht mehr dazugehört und gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert wird.“, ist Roberts Erfahrung. „Dies hat zur Folge, dass man auch nicht mehr wie ein Lemming mit der großen Blase mitläuft. Wenn sich ein Mann vor eine Frau stellt, egal wie oder womit die Frau gekränkt oder verletzt wurde, dann ist man automatisch ein Weichei, gerne wird man dann auch als schwul bezeichnet und immer eigentlich will man mit diesem Mann dann nichts mehr zu tun haben.“ Ermutigend oder anziehend sind diese nüchternen Feststellungen nicht. Robert weiß das. „Und ich glaube, das fürchten die meisten Männer. Dass sie dann den Rückhalt aus der eigenen Reihe verlieren und keinen Anschluss mehr an die „normale“ Gesellschaft finden.“
„Wir Menschen sind Lemminge“, erklärt mir Robert. Und sobald man nicht mehr in der Reihe mitlaufen darf, möchte man sich am liebsten in einem großen schwarzen Loch verstecken, meint er. Die Courage nun wäre aber zu sagen: „Ja, und auch wenn ich ein Lemming bin, so achte ich darauf, wem ich nachrenne.“ Dann gäbe es zwar immer noch jede Menge Mitläufer, aber die wären endlich auf dem richtigen Weg unterwegs, gibt sich Robert hoffnungsvoll.
Schweb wie ein Schmetterling,
stich wie eine Biene!
Muhammad Ali